Leserbriefe

Servus Leute von „Unser Viertel“,

Wir finden Eure Zeitung gut und verbreiten sie auch. Und damit sie noch mehr gelesen wird, möchten wir Euch vorschlagen, den Begriff der Gentrifizierung nicht oder zumindest weniger zu verwenden. Wir haben festgestellt, dass viele Leute ihn nicht kennen – auch junge Menschen, die viel ins Internet gehen. Der Aufmacherartikel der Nr. 5 von „Unser Viertel“ im Soziologendeutsch ist für eine Stadtteilzeitung zu kompliziert und zu wenig mobilisierend. Gerade weil wir ihn inhaltlich für sehr wichtig halten, finden wir das schade,

Außerdem finden wir den Begriff beschönigend. Den Prozess, der in Giesing droht, mussten die Bewohner im Lehel, in Haidhausen und im Glockenbachviertel vor vielen Jahren schon durchmachen. Die Aufwertung und Modernisierung ihres Viertels hatte für viele von ihnen zur Folge, dass sie sich es nicht mehr leisten konnten, dort zu wohnen. Speziell Untergiesings Lage ist attraktiv – nah an der Isar und nah am Stadtzentrum – geradezu ideal für die Immobilienhaie, um dort schöne, aber teure Eigentumswohnungen, Szenekneipen, schicke Büros einzurichten.

Wenn es gelingen soll, den Widerstand gegen diese Entwicklung stärker zu machen, solltet Ihr sie auch offensiv benennen – als Luxussanierung und Mietervertreibung.

Mit solidarischen Grüßen,

Inge und Renate

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„Hallo, Liebe Giesinger Zeitungsmacher/innen!

Ich habe mich sehr gefreut, daß es jetzt eine unabhängige Stadtteilzeitung für unser Viertel gibt. Ich hoffe, daß ich sie auch regelmäßig in die Hand bekomme und wäre auch bereit, den einen oder anderen Beitrag zu liefern. Den Anfang habe ich schon gemacht, mit dem beiliegenden kleinen Artikel über meinen Lieblingsladen.

So und jetzt die Kritik! Zu dem Artikel „Kinderbetreung in Giesing“ muß ich unbedingt einiges loswerden:
Frauen „müssen“ nicht arbeiten, sie „wollen“ arbeiten. Und sie arbeiten auch nicht, um „die Haushaltskasse zu entlasten“. Das ist 50iger Jahre Denke, Sie wollen arbeiten, weil sie einen Beruf erlernt haben, oft sehr qualifiziert sind und diesen Beruf trotz Kind/ern auch ausüben wollen. Berufstätigkeit bedeutet wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Ehemann – und wie viele Ehen gehen in die Brüche !-. Berufstätigkeit bringt aber auch Selbstbestätigung für Frauen und nicht zuletzt dürfen die Partner einer berufstätigen Frau auch im Haushalt mit anpacken.

Selbst ein Job ohne Karrierechancen ist besser als nur das ewige Karussel von waschen, putzen, kochen und was sonst noch den Haushalt so prickelnd macht.
Mit der Forderung nach bedarfsgerechten Kita-Plätzen bin ich voll einverstanden. Sehr wichtig finde ich, daß die Stadt diese Aufgabe erfüllt, so daß wir nicht unseren Nachwuchs in kirchlichen Einrichtungen betreuen lassen müssen.

Auch alle anderen Arikel gefallen mir sehr.
Also, Leute, macht weiter so!

Gruß, I. K.
P.S. Tut mir leid, daß ich mir der maschine schreiben musste. Mein Rechner hält gerade Winterschlaf und Internet habe ich auch nicht.“

Antwort der Redaktion:

Wir wollten mit dem Artikel sicher nicht in die 50ger Jahre verfallen und beweinen, dass Frauen arbeiten statt am Herd zu stehen. Uns ging es darum dass Frauen (und natürlich auch Männer) in den meisten Familien gar nicht die Wahl haben nicht zu arbeiten. Die soziale Lage, die sich immer mehr verschärft, zwingt uns alle dazu mehr zu arbeiten als eigentlich gut für uns ist. Darunter leidet dann natürlich auch die Familie und die Kindererziehung.

Wir wollen natürlich dass alle Frauen die Möglichkeit haben zu arbeiten. Gleichzeitig sollten aber auch alle Frauen und Männer die Möglichkeit haben ausreichend Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und diese dann auch noch vernünftig Ernähren zu können.