Hallo Konstantin, schön, dass du Zeit gefunden hast.
Du bist ja Urmünchener, wie hast du deine Kindheit in München erlebt?
Aufgewachsen bin ich im Lehel, einen Katzensprung von der Isar entfernt.
Die Stadtteile Münchens hatten damals alle eher dörflichen Charakter. Meine Kindheit dort war wunderschön, vor allem vom Baden in der Isar geprägt. In einen anderen Stadtteil zu fahren war fast schon eine Weltreise.
Die Häuser waren zum Teil noch von Bomben zerstört, aber alles war sehr lebendig, es gab kleine Geschäfte, einen Milchladen, einen Schuster und es gab wenig Gründe das Lehel zu verlassen…..
Später hat es dich nach Giesing gezogen, warum?
Ich hatte mir in den Kopf gesetzt eine Künstlerkneipe aufzumachen und da kam ich auf Giesing. Das Viertel schien mir ideal um den Menschen näher zu sein, was mich auch sehr inspiriert hat.
Das Kaffee Giesing war dann ein großer Glücksgriff.
Anfangs haben wir überlegt ob die Einwohner, vor allem die 60’ger Fans uns im Viertel akzeptieren, später hatten wir aber ein freundschaftliches Verhältnis mit ihnen. Meist kamen sie nach den Spielen zu uns und haben den Tag dort ausklingen lassen.
Man kann die Zeit damals schwer mit heute vergleichen. Oft war das Café überfüllt und die Leute standen bis draußen an, Securities brauchten wir allerdings nie. Es war der Laden in München und Künstler wie Pur, Gerhard Polt, Dieter Hildebrandt und Hubert v. Goisern haben sich die Klinke in die Hand gegeben.
Ich war auf öfter auf den Sitzungen des Bezirksauschusses, vor allem als es um Themen wie die Verlängerung der Sperrstunde oder Ruhestörung.
Ich habe eine wirklich sehr schöne Zeit in Giesing verbracht und denke auch heut noch gern daran zurück.
Zur Zeit ist der Begriff der Gentrifizierung in aller Munde, sicherlich hast auch du bereits davon gehört. Ist dir auch aufgefallen, dass das Viertel sich verändert hat?
Ich bin nicht mehr sehr oft in Giesing, allerdings habe ich auch mitbekommen, dass sich das Viertel verändert hat. Angefangen hat es sicherlich als das Stadion nicht mehr bespielt wurde. Die Gentrifizierung ist mir nicht direkt in Giesing aufgefallen, dafür aber in anderen Viertel. Wenn ich heute durch Lehel spaziere dann gleicht das Viertel in keiner Weise dem wie ich es aus meiner Kindheit kenne. Es wäre schrecklich wenn dasselbe mit Giesing passiert!
Vielen Dank, kommen wir zu einem anderen Thema: Du bist letztes Jahr im Februar mit in Dresden gewesen und hast es zusammen mit tausenden anderen geschafft einen Naziaufmarsch zu blockieren. Erzähl mir doch davon:
Die Blockade der Nazis war eine sehr gute Aktion. Es wurde ein breites Bündnis aufgebaut und die Gruppen haben sich untereinander stark vernetzt. Die bundesweite Mobilisierung nach Dresden hat einwandfrei funktioniert und es herrschte regelrechte Volksfeststimmung.
Ich hoffe ich finde auch dieses Jahr wieder die Zeit nach Dresden fahren zu können um den Nazis zu zeigen, dass sie nicht erwünscht sind.
Vor kurzem bist du auch in Stuttgart gewesen und hast auf einer Kundgebung gegen
Stuttgart 21 gespielt. Was hast du dort erlebt?
Nachdem ich auf der Kundgebung gespielt habe bin ich zum Flughafen gefahren. Dort kam ein offensichtlich reiches, älteres Paar auf mich zu. Innerlich habe ich mich schon auf eine Diskussion mit ihnen vorbereitet, doch sie kamen nur um mir zu danken, dass ich auf der Kundgebung gespielt habe.
Das zeigt mir, dass die Proteste gegen Prestigeobjekte wie Stuttgart oder gegen Schweinereien wie Atomkraft viel breiter geworden sind. Für unsere Kämpfe gegen die wenigen Menschen mit zu viel Macht und zu viel Geld brauchen wir alle.
Die Fähigkeiten aller müssen der Gemeinschaft zu Gute kommen und nicht nur den Wenigen, die das eigentliche Problem unserer Gesellschaft sind.
Wir müssen lernen liebevoll miteinander umzugehen.
Das ist doch ein schönes Schlusswort- Vielen Dank.
0 Antworten auf „Interview mit Konstantin Wecker“