Der Begriff Gentrifizierung oder moderner „gentrification“ taucht immer häufiger in der Öffentlichkeit auf, aber die wenigsten Menschen wissen genau, was er eigentlich bedeutet.
Gentrifizierung könnte man einfach ausgedrückt Aufwertung oder „Soziale Umstrukturierung“ eines (innenstadtnahen) Viertels in großen Städten nennen. Dabei wird ein Viertel, das einen eher schlechten Ruf, sanierungsbedürftig Gebäude, niedrige Mieten und eine dementsprechend finanziell schwache Einwohnerschaft hat, baulich und sozial „aufgewertet“.
Meistens beginnt der Prozess mit jungen Leuten, Studierenden und Künstlern, die auf Grund der niedrigen Mieten in den Stadtteil ziehen und ihm dadurch ein angesagtes und interessantes Flair geben. Steigt die Attraktivität des Viertels, lohnt es sich für Investoren natürlich auch dort einzugreifen, baufällige Häuser aufzukaufen, zu renovieren und für einiges mehr wieder weiterzuvermieten oder zu verkaufen. Die Mieten im ganz Viertel steigen nun, und der Großteil der alten Bevölkerung kann diese nicht mehr bezahlen und muss ausziehen. Diesen Prozess nennt man Verdrängung. Dadurch folgt auf die bauliche Aufwertung die soziale. Die neue Einwohnerschaft, die nun in den inzwischen attraktiven Stadtteil zieht, hat Geld und hohe Ansprüche. Stylische Bars eröffnen, wo früher eine kleine Eckkneipe war, und der Tante Emma Laden wird durch eine moderne Coffee Lounge ersetzt. Das Viertel wurde in wenigen Jahren komplett umgekrempelt.
Beispiele dafür gibt es viele, von Brooklyn in New York, Notting Hill in London bis Berlin-Kreuzberg. Aber auch in München ist das ganze nicht unbekannt: Schwabing ist ein frühes Beispiel der Gentrifizierung, und das Glockenbachviertel und Haidhausen wurden in den letzten 20 Jahren von Arbeitervierteln zu zwei der begehrtesten Wohnlagen aufgewertet.
Aber was hat das ganze mit uns zu tun? Vielleicht haben Sie auch schon bemerkt, dass sich in Giesing etwas ändert. Alte Wohnhäuser und Gebäude wie das Agfa-Gebäude werden abgerissen und Wohnanlagen mit gehobenem Niveau gebaut. Traditionelle Boazen wie die Burg Pilgersheim werden verkauft und zu Szenekneipen umgestaltet. Außerdem wird immer häufiger bekannt, dass Mieten ohne erkennbaren Grund erhöht werden. In einem dieser Fälle geht es um mehrere Wohnblöcke in Untergiesing: Diese waren ursprünglich städtisches Eigentum und wurden vor kurzem an einen privaten Investor, die sogenannte „RockCapital Grünwald“ verkauft, der postwendend die Mieten um 20% erhöhte.
An diesem Beispiel sieht man: Die Ursache der Gentrifizierung liegt nicht bei den „coolen“ Studenten und Künstlern, nicht bei der Sanierung von heruntergekommenen Gebäuden (was ja prinzipiell eine gute Sache ist), auch nicht an einer schönen und lebenswerten Gestaltung eines Viertels. Das wirkliche Problem liegt daran, dass Wohnraum immer mehr zu einer lohnenden Kapitalanlage wird. Dabei ist es eigentlich ein Grundbedürfnis und Recht jedes Menschen, eine ausreichende und bezahlbare Wohnung zu haben. Der verfügbare Wohnraum in den Städten wird aber mehr und mehr durch Privatisierung der Wirtschaft zum Zweck der „Profitmaximierung“ zum Fraß vorgeworfen. Die Bedürfnisse der einkommenschwächeren Mieter bleiben dabei auf der Strecke.
Grundrecht auf menschenwürdiges Wohnen für alle!
Rechte der Bevölkerung vor Interesse der Investoren!
Wohnraum verstaatlichen!
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